wenn ich darf, möchte ich hier mal meine aktuell dringendste Schulsorge loswerden. Jedenfalls eine, wo ich mich recht hilflos fühle.
Unsere Grundschule ist in Gefahr. Immer wieder kommt es seitens der städtischen Schulverwaltung zu Vorstößen, die Schule zu schließen und die Kinder einfach umzusprengeln.
Hauptsächlicher Hintergrund: Ein Teil der Stadtverwaltung ist in einem inzwischen maroden Gebäude untergebracht. Teile der Politik wünschen sich nun, diese Teile der Verwaltung, in unserem historischen Schulgebäude unterzubringen, das so praktisch neben dem Rathaus steht.
Dieser Vorstoß ist nicht neu und konnte bisher glücklicherweise immer abgewendet werden, wird aber nun wieder aufgenommen, da die Teilhauptschule künftig wegfallen wird und somit "ungenutzte" Räumlichkeiten entstehen würden.
Leider gibt es in der Bevölkerung unserer kulturell durchaus bedeutsamen, schönen Stadt eine gewisse "was-geht-mich-das-an" Einstellung.
Außerdem stört sich mancher schon an dem äußeren Eindruck der Schule (geschwärzte, leider seit Jahrzehnten nicht gereinigte Fassade) sowie einem gewissen, auch bei manchem Entscheidungsträger vorhandenen Vorurteil, in diese Schule gingen sowieso nur "Kinder zweiter Klasse".
Tatsache ist, daß die Kinder dieser Schule eine sehr unterschiedliche Herkunft haben. Die Kinder kommen aus allen sozialen Schichten und zum Teil auch aus verschiedensten Kulturen. Wie man eine solche Situation als wertlos betrachten kann, ist mir unbegreiflich. Tatsächlich ist dies eine hervorragende Lerngelegenheit für alle Beteiligten, eine kleine Herausforderung, die die Schule mit Klassenstärken von in der Regel unter 25 Kindern und schulpsychologischem Dienst direkt im Schulgebäude souverän annehmen kann.
Zum äußeren Eindruck muß man sagen, daß die Stadt erst im letzten Jahr einen Batzen Geld in Umbau und Verschönerung des Schulhofes gesteckt hat (Lärmschutz, Anlage von Spiel- und Ruhezonen, incl. z.B. eines kleinen Bachlaufes). Die Kinder fühlen sich hier wohl. Doch nicht nur die Möglichkeiten, die noch im Schulgebäude und Schulgelände stecken, sind ein Pro für diese Schule. Schon allein die Lage direkt in der Innenstadt ist eine ideale Lernumgebung für die Kinder. In Laufdistanz befinden sich alle wesentlichen Einrichtungen einer Stadt. Museen und Kulturschätze, Behörden, Polizei, Feuerwehr, Schwimmbäder, Eisstadion, Märkte, Kirchen, Kindergärten mit Hortbetreuung, Parks u.v.m.
Tatsächlich hat man den Eindruck, die Stadt ignoriert einfach, daß es Menschen gibt, die gern und aus Überzeugung in der Innenstadt leben, und daß auch Familien außerhalb dieses Schulsprengels sich nicht von der einen oder anderen Äußerlichkeit abschrecken lassen und ihre Kinder gern in dieser Schule sähen. Jedes Jahr muß die Schulleitung so einige Gastanträge ablehnen.
Durch die jetzige Situation werden die Gastanträge ifür das kommende Schuljahr evtl. etwas magerer ausfallen. Wer möchte sein Kind denn in eine Schule schicken, die vielleicht ein Jahr später geschlossen wird???
Ach ja, seitens der Schulleitung ist ein Ausbau der Schule zur Ganztagsschule in Planung, was sicher gerade für diese Schule eine sehr gute Idee ist. Die Mittagsbetreuung wird jetzt bereits von vielen Eltern geschätzt.
Was glaubt Ihr, wird die städtische Schulverwaltung mit ihren "Sparplänen" Erfolg haben und die Kinder wirklich zu Kindern zweiter Klasse machen, indem sie ihnen ihre Schule wegnimmt und sie einfach umverteilt?
Bisher konnte durch die Presse und Unterschriftensammlungen schon etwas öffentliches Interesse geweckt werden. Aber der Ausgang ist ungewiß.
Vielen Dank, einfach schon fürs zulesen. Etwas Aufbauendes zu lesen wäre natürlich auch nett. Auch Ideen und Anregungen.
Grüße,
Eva

