Diskussionen über ein Erstklässler-Zeugnis

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Diskussionen über ein Erstklässler-Zeugnis

Beitragvon Konstantin » 15.08.2009, 18:37

Schönen guten Tag,

ich bin neu hier und würde mich über Rat von anderen Eltern wie auch von anderen Lehrern freuen. Nein, nicht ich bin Lehrer, aber meine Frau, und gemeinsam sind wir ziemlich unglücklich über die Beurteilung unserer Siebenjährigen in ihrem ersten Zeugnis. Bei aller Abwägung finden wir keinen Königsweg des weiteren Vorgehens und denken, dass uns ein paar andere Meinungen am ehesten weiterbringen.

Also: Unsere Tochter ist ein Kind, das von ihrer Klassenlehrerin als "poetisch, aber auch eigenwillig" beschrieben wird. Sehr treffend, wie wir finden. Sie geht gerne zur Schule, kommt im Unterricht gut mit, liebt ihre beiden Lehrerinnen, ich bin Elternsprecher; im Grunde alles prima. Um so irritierter sind wir von Zeugnis-Formulierungen, die aus heiterem Himmel kommen und in ihrer Pauschalisierung nicht zutreffen. Das heißt: Die Lehrerin stellt Einzelfälle als wiederkehrende Handlungsmuster dar. Zum Beispiel hat sich unsere Tochter einmal als Folge einer Ermahnung schmollend unter den Tisch verzogen, jetzt steht da: "Kritik weichst Du aus, indem Du Dich unter dem Tisch versteckst." Auch eiinmalige Konflikte mit anderen Kindern erscheinen im Zeugnis als pauschale Charakterzüge mit dem Hinweis auf "Handgreiflichkeiten". Das Zeugnis liest sich wie die gerade noch freundliche Beurteilung eines Problemkindes. Was uns dabei stört, ist die fehlende Differenzierung im Sinne von "In Einzelfällen..." oder "Es kann vorkommen, dass...", und: In mehreren Elterngesprächen gab es zuvor keinerlei Hinweise auf Problemhäufungen. Insbesondere nicht im Umgang mit anderen Kindern. Und unter den Tisch verzog sich unsere Tochter nur ein einziges Mal. Nebenbei merkt die Klassenlehrerin noch an, unsere Tochter kenne den Wert des Geldes nicht und auch nicht die Uhrzeit, was so definitiv nicht stimmt; das wären Kleinigkeiten, wenn uns nicht das Gesamtbild so stören würde.

Wir haben das Gespräch mit der Klassenlehrerin gesucht, die uns nun rät, das Zeugnis nicht zu ernst zu nehmen (!) und darauf verweist, dass Zeugnisse nun mal subjektiv seien. Sie sei dabei das Subjekt. Insbesondere meine Frau kann dieser kollegialen Einschätzung überhaupt nicht folgen, und auch mich stellt diese Antwort nicht zufrieden. Ich muss allerdings anmerken, dass ich beruflich daran gewöhnt und dazu verpflichtet bin, Worte auf die Goldwaage zu legen. Aber gerade bei einem Zeugnis gehören sie genau da hin, wie ich finde.

Wie würdet Ihr entscheiden?

Ja, wir wissen, dass von einem Erstklässler-Zeugnis überhaupt nix abhängt. Uns ist auch bekannt, wie beliebt sich Eltern machen, die das Umschreiben von Zeugnissen fordern. Wir wollen keinen Kriegszustand, mögen aber eben auch keinen leichtfertigen Umgang mit Worten. Wir haben keinen Spaß an juristischen Auseinandersetzungen, wollen die Angelegenheit aber auch nicht auf sich beruhen lassen. Verrennen wir uns gerade oder sollen wir den Fuß stehenlassen?

Vorab vielen Dank für Eure Hilfe!

Konstantin
Konstantin
 
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"Nur des Geistes Kraft allein schneidet in d.Seele ein." W.B

Beitragvon f.j.neffe » 11.04.2011, 19:02

Als Ich-kann-Schule-Lehrer rede ich sehr gerne mit Kindern und extrem ungern über sie. Wenn ich über sie spreche, dann berichte ich in der Regel über meine Arbeit mit ihnen und welch großartige Fortschritte sie dabei geschafft haben. Solange sie keine Fortschritte machen, würde ich lieber schweigen, denn das heißt ja, dass ich als Lehrer nur Misserfolg gehabt habe. Es ist zu billig, den Eltern für den eigenen Misserfolg unter die Nase zu reiben, dass sie mit ihrem Kind mehr üben müssen.
Die Schablonen, die für die sog. DSchülerbeurteilung vorgegeben und dann auch noch übernommen werden, sind oft einfach nur noch peinlich. Sie zeigen, dass das Sprachgefühl auch in der Lehrerschaft weithin schlicht verkommen ist.
Zeugnisse nicht ernst zu nehmen, halte ich für einen bemerkenswert guten Rat von einem Lehrer. Damit nimmt man natürlich auch den Schreiber nicht ernst. Und was sagt der dann dazu? Würde er vielleicht sich die Sache noch einmal neu durchdenken, wenn ich die Sorachkompetenz, die er bald erreichen könnte, schon jetzt bewundere und micn heiß dafür interessiere? Auf jeden Fall weiß ich, dass ich das, was ich denke und fühle ausstrahle. Und wenn ich ständig in meine Kollegin hineinstrahlen würde, dass sie eine dumme Gans ist, dann würde sie es wirklich. Wie gut, dass wir SENDER sind, die ihre Ausstrahlung ändern können!
Icxh grüße freundlich.
Franz Josef Neffe
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