Wie Ruhe in die Klasse bringen?

Hier geht es um Fragen zur Unterrichtsgestaltung, Methodik, Didaktik etc.

Wie Ruhe in die Klasse bringen?

Beitragvon sjahnlea » 16.11.2009, 21:30

So, jetzt hab ich auch mal wieder eine Frage. Ich bin zur Zeit als Feuerwehrkraft an einer GS, unter anderem mit Englisch in einer 3. Klasse (26 Kinder). Diese ist schon seit dem ersten Schuljahr sehr unruhig. 6 Kinder sind in irgendwelchen Therapien, sei es LRS, ADS oder sonstiges.
Auch bei mir im Unterricht ist es oft sehr unruhig. Einige Kinder stehen einfach auf und laufen in der Klasse herum, um einem anderen Kind etwas zu erzählen. Andere reden oder schreien einfach rein.... Der Geräuschpegel der Klasse ist enorm hoch, so dass ich oft einfach warten muss, bis es wieder etwas leiser wird, damit ich überhaupt durchkommen. Auch das Sozialverhalten ist bei vielen ziemlich schwierig.
Ich habe bis jetzt schon versucht den Klangstab einzuführen, das ging ganz gut, hält aber nicht lange an. Im Augenblick stehe ich einfach nur an der tafel, behalte die Uhr im Blick und schreibe dann die Minuten andie Tafel, die die Kinder benötigt haben um ganz leise zu werden. Das ziehe ich von der pause ab. Ich finde das eigentlich ziemlich blöd, da ihnen dann die Zeit zum toben und auspowern fehlt.
Wie bringe ich mehr Ruhe in diese Klasse???
sjahnlea
 
Beiträge: 13
Registriert: 28.02.2005, 20:17
Wohnort: Bad salzdetfurth

Re: Wie Ruhe in die Klasse bringen?

Beitragvon Kel » 19.12.2009, 23:28

sjahnlea hat geschrieben:Ich habe bis jetzt schon versucht den Klangstab einzuführen, das ging ganz gut, hält aber nicht lange an. Im Augenblick stehe ich einfach nur an der tafel, behalte die Uhr im Blick und schreibe dann die Minuten andie Tafel, die die Kinder benötigt haben um ganz leise zu werden. Das ziehe ich von der pause ab. Ich finde das eigentlich ziemlich blöd, da ihnen dann die Zeit zum toben und auspowern fehlt.
Wie bringe ich mehr Ruhe in diese Klasse???


Hm, meine Klasse ist allgemein recht "lebhaft". Allerdings erlebe ich das meist als etwas Positives, da ich selbst sehr hibbelig bin. :mrgreen: Sie machen meist sehr gut mit, sind muendlich sehr stark und recht leicht zu begeistern.
Um meine Klasse "ruhig" zu bekommen, zaehle ich meist von 5 oder 10 oder 3 runter. Das gibt ihnen die Zeit ihre Unterhaltung oder Aufgabe zu beenden, Sachen wegzuraeumen oder dergleichen. Bei 0 haben alle auf ihren Plaetzen zu sitzen, keiner sollte mehr reden und Augen sollten auf mich gerichtet sein. Obwohl ich eigentlich sonst sehr locker mit meiner Klasse bin, bestehe ich darauf, dass dann absolute Stille herrscht. Wenn noch jemand redet, zaehl ich weiter runter in Minuszahlen. Jede Zahl unter 0 bedeutet verlorene Minuten in der Pause. Die laengste Zeit, die ich sie dann jemals in Stille hab sitzen lassen, war 12 Minuten. Das kam aber seit ueber einem Jahr nicht mehr vor. (Und in der Zeit ist dann auch absolute Stille, denn sie sitzen diese Minuten ab...und die Stoppuhr faengt wieder von vorne an, wenn mittendrin einer denkt er muesse rumbloedeln und Grenzen austesten. Normalerweise lass ich sie aber nach und nach gehen, angefangen mit den Kindern, die diesen Zeitverlust nicht mitverursacht haben. Fuer die sind's dann vielleicht max. Sekunden.)

Kinder die reinrufen oder mich unterbrechen bekommen zwei Warnungen und verlieren ihre kleine Pause beim dritten Mal (15 Minuten). Alternativ lass ich sie auch einfach aufstehen, wenn sie denken, sie muessten ne Unterhaltung fuehren, waehrend ich rede. Ich hab auch ein paar Spezialisten, die sich dann immer mal nen Ausflug zu meinem Schreibtisch einhandeln. Dort muessen sie dann warten, bis ich Zeit fuer sie habe...um mir dann zu erklaeren, warum sie sich daneben benommen haben.

Als Alternative (mir ist klar, das klingt alles ziemlich negativ), reagieren meine Kids auch sehr gut auf Haende klatschen. Ich klatsche einen Rhytmus, sie klatschen den gleichen Rhytmus zurueck. Dazu muessen sie sich erstens konzentrieren, und zweitens auch alles aus den Haenden legen.
Ansonsten geht es auch sehr gut mit "Ah, D. ist bereit weiter zu machen und schaut mich an. Sehr gut. H. und T. sitzen auch ganz still und warten. Ganz toll. ...Blablabla..." Klingt ziemlich bescheuert, funktioniert aber. :mrgreen:
Wir haben auch ein Punktesystem, bei dem sie Punkte bekommen, wenn sie etwas gut machen. Die sammeln sie individuell und bei 15 Punkten bekommen sie eine Lobpostkarte nach Hause geschickt.
Klassenlehrerin von 28 10- und 11-Jaehrigen an einer Middle School :D

- PGCE (KS2/3 English) und BA(Hons) History
Kel
 
Beiträge: 153
Registriert: 07.04.2005, 15:21
Wohnort: Somerset

Re: Wie Ruhe in die Klasse bringen?

Beitragvon sjahnlea » 20.12.2009, 15:39

Vielen Dank, Kel! Da sind ja ganz tolle Anregungen in deinem Beitrag. da werd ich mir glatt welche von klauen, Händeklatschen z.B.!!! :D
sjahnlea
 
Beiträge: 13
Registriert: 28.02.2005, 20:17
Wohnort: Bad salzdetfurth

Persönlichkeitswachstum des Lehrers und der Kinder

Beitragvon f.j.neffe » 11.04.2011, 19:28

Ruhe in die Klasse bringen kann ich, wenn ich sie selbst stark in mir trage. Dafür muss ich mit mir eins werden / sein. Mit sich selbst uneins sein, bedeutet Unruhe auszustrahlen. Als Ich-kann-Schule-Lehrer fehlt mir in der Pädagogik alles, was Selbstreflexion, Selbststärkung, Selbstorientierung des Lehrers betrifft. Man denkt bei Problemen, an denen immer beide Seiten beteiligt sind, immer nur an die Kinder; das verfehlt die Realität.
Als erstes muss man das selbst haben, was man geben will.
Eine praxiserprobte Schnellhilfe, seine Aufgaben zu meistern in die Coués Autosuggestion. Bei den zehntausenden Hilfesuchenden, die jährlich zu ihm aus aller Welt nach Nancy kamen, hatte Coué praktisch nur die interessantesten Erfolge. Dadurch wurde die Autosuggestion in wenigen Jahren eine weltberühmte Selbsthilfe-Methode.
Wenn ich Kinder nicht nur in perfekt erscheinende vorbereitete Formen zwingen will, dann muss ich ihre wirklichen Lebensbedürfnisse erkennen, entwickeln und recht bedienen. Die Pädagogik herrscht lieber, sie fragt nicht nach den Feinheiten und dürckt lieber mit Grobheiten ihren Willen durch. Das bricht dann immer sofort los, wenn nicht der starke etablierte Unterrichtsvollzugsbeamte da ist sondern ein schwächeres Glied in der Kette.
DRUCK - das weiß in der neuen Ich-kann-Schule jedes kleine Kind - komprimiert Probleme; das ist das exakte Gegenteil von Lösung. Wie Du in der schwächeren Rolle ja sehr gut erlebst, kommen die Probleme immer sofort wieder heraus, wenn nicht mehr gedrückt wird oder werden kann. Und noch etwas zweites Interessantes kannst Du dabei untersuchen: Die Probleme wachsen exakt um die Energie, die man hineingedrückt hat.
Energie geht nicht verloren. Sie kann aber - von klugen Leuten - umgewandelt werden.
In der neuen Ich-kann-Schule würde ich z.B. den Energien neue, interessantere Aufträge geben, durch die man konkret an Ansehen gewinnt. Dabei entsteht SOG. Sog ist das Grundprinzip der neuen ich-kann-Schule, denn Sof löst. Sog richtet auf. Sog macht wachsen. Mit Sog kann man Kräfte punktgenau lenken.
Druckkräfte sind grob und plump, Sogkräfte sind fein. Die entscheidenden Kräfte des Lebens sind die feinen Kräfte. Mit denen müssen wir fein umgehen lernen, wenn wir von den ewigen Miss- und Scheinerfolgen wegkommen wollen.
In Kels Bericht finde ich da einige ganz starke Ansätze, wenn er z.B. das gute erwünschte Verhalten focussiert und sofort anerkennt. Das erzeugt SOG und bei Sog wächst der Mensch als Persönlichkeit. Wenn ich ihn nur in eine Schablone reindrücke, schrumpft er, und dagegen muss seine fürs Überleben zuständige Instanz irgendwann allergisch reagieren.
Wenn Lehrer und Schüler ständig über sich hinauswachsen, wachsen sie auch über die Probleme hinaus.
Guten Erfolg!
Franz Josef Neffe
f.j.neffe
 
Beiträge: 21
Registriert: 23.01.2011, 13:38


Zurück zu Unterricht

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste



Montessori-Shop.de - Ihr sympathischer Shop für Montessori-Material und Lernspielzeug.