von f.j.neffe » 28.10.2011, 14:04
Ich schreib Dir mal etwas aus der neuen Ich-kann-Schule und den Ich-kann-Geschichten über das Problem; die Lösung kannst Du dort an praktischen Beispielen selbst nachlesen, wenn Du magst.
In der 1. Klasse rechnet man bis 20, in der 2.Klasse bis 100 usw.
Wenn Du etwas auffällig bist und in die lernbehinderte Schule musst, rechnet man in der 1.Klasse mit den Zahlen von 1 - 6, in der 2. Klasse bis 20 usw.
Nun hat ein Schuljahr 40 Wochen á 5 Mathestunden = 200 Stunden.
200 Stunden von 1 bis 20 oder 1 bis 6 und zurück - was kann man da rechnen?
Du brauchst keine 2 Minuten um alle Möglichkeiten aufzuzählen.
Seit 30 Jahren sage ich in meinen Vorträgen: "Was würde passieren, wenn ich die Schulräte dieses Regierungsbezirks in einen Saal sperre und zwinge, 200 Stunden lang mit den Zahlen von 1 bis 20 / 6 zu rechnen? Sicher hätten wir spätestens nach 100 Stunden die ersten Mord- und Selbstmordversuche. 200 Stunden im 20er-Raum, wer hält das aus, ohne nicht mindestens neurotisch zu werden?...."
Und dann erlebe ich a) Kinder, denen es hinten und vorne raushängt und die es nicht mehr sehen können und am liebsten davonlaufen würden und b) Lehrer die stöhnen: "Sie haben´s IMMER NOCH NICHT kapiert!" und es den Kindern ständig hinten und vorn reinstopfen wollen.
Wie kann man so stur so blind sein?
Welch eine Grundlegung der Beziehung zur Mathematik!
Dabei bedeutet griech. MATHEMATIKE = LERNBEGIERDE. "Chairete o mathetai" grüßte uns unser Lehrer jeden Morgen, "Freut Euch, o Lernbegierige!"
Die Sachaufgaben sucht man dann als "schwerere Mathematik" durchzunehmen. Dabei haben Aufgaben mit Text fast gar nichts mit Rechnen zu tun. Viele Kinder schalten aber schon aufgrund ihrer traumatischen Matheanfangserfahrungen ab. Sie fühlen sich schon überfordert, wenn sie den Text noch gar nicht gesehen haben.
Jetzt ist Mathe, jetzt müssen die Sachaufgaben durchgenommen werden - welche Beziehungsqualität zu Mathe wird durch eine solche Weichenstellung grundgelegt? Wenn Kinder Sach-Aufgaben rechnen, warum geht es dabei nicht um IHRE Sache? Was ist überhaupt IHRE Sache beim rechnen? Die Sache der Lehrplandichter? Die Sache der Lehrplanvollzieher? Was ist überhaupt DEINE Sache beim Rechnen? Was begeistert Dich so, dass es 1.Klässler mitreißen könnte?
LEHREN bedeutet ja im Kern ein mitreißendes LERNvorbild zu sein. In unseren "Schulen" wird aber nicht gelehrt sondern unterrichtet. Im UNTERRICHT müssen sich die unten nach denen oben richten. Da bekommt MATHEMATIKE eine ganz, ganz andere Qualität.
Guten Erfolg wünscht
Franz Josef Neffe