"Grundschulenglisch ist Zeitverschwendung...

"Grundschulenglisch ist Zeitverschwendung...

Beitragvon XYZ » 10.12.2005, 12:32

und bringt den Kindern eh nichts für die weiterführende Schulen.
Sie sollten lieber erst mal vernünftig deutsch lernen."

So ähnlich äußerte sich ein Lehrer, der an einer unserer weiterführenden Schulen am Ort Englisch unterrichtet. Schade, dass dieses Vorurteil immer noch besteht...

DIESE Schule schaute sich im Gegensatz zu allen anderen den Grundschul-E-Unterricht nicht an. Können im Prinzip gar nicht "mitreden".
Davon abgesehen, dass mich so etwas ärgert, da man seinen Kindern schließlich auch ermöglicht ein Musikinstrument zu spielen, bevor sie in der Schule die Noten durchnehmen... man mit seinem Kind auch die Kaninchen-Aufgabe bis ins Unermessliche herausrechent, wenn es dran Spaß hat und nicht sagt "Warte auf den Matheunterricht und die Fibonacci-Zahlen"; ganz zu schweigen von den armen Kindern, die auch noch zweisprachig aufwachsen müssen! :P
hab ich auch mal eine ganz einfache Frage:

Für den Englischunterricht in der 3. und 4. Klasse wurde die Stundentafel doch um 2 Stunden erhöht- die Stunden wurden NICHT irgendwo "abgeknapst", oder?

-und sind die Lehrer bei euch auch noch so konservativ? :roll:
Ich habe ja Verständins: Alle Kinder sind auf unterschiedlichem Stand. Allein schon, weil alle Schulen unterschiedliche Lehrwerke haben und weil nicht alle Schulen das Glück haben, eine so tolle Englisch-Lehrerin wie wir zu haben. Aber ist das in den anderen Fächern nicht ebenso?
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Beitragvon tjorven » 10.12.2005, 23:15

Hey,

da muss ich dem zitierten Englischlehrer schon recht geben :(
Der Englischunterricht, den ich bisher an Grundschulen erlebt hab, war katastrophal. Die Sprachfehler, die den Kindern da von grottenschlecht englischsprechenden Lehrern eingestanzt werden, kriegen die Lehrer der weiterführenden Schule wirklich kaum wieder raus.


Und ich glaube nicht, dass man das mit den anderen Fächern so unbedingt vergleichen kann. Die alten Lehrer unterrichten schon Jahrzehnte Mathe, Deutsch, SU und Co und beherrschen das auch. Irgendwann mussten sie auch Englisch unterrichten, erhielten eine ganz knappe Schnellbesohlung und wurden auf die Kinder losgelassen. Egal ob derjenige nun Talent dafür hat oder nicht.

Ich kann aber nur von Sachsen ausgehen.

Vermutlich ändert sich das in den nächsten Jahren, denn die Lehramtsstudenten, die sich für Englisch entscheiden, müssen harte Zulassungsstests bestehen und das Studium ist heftig. Ohne Begabung schafft man das nicht.
Insofern werden die Englischlehrer der wfS bald freundlicher vom Englischunterricht der GS sprechen 8)


LG,
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Beitragvon XYZ » 11.12.2005, 0:02

Bei uns (NRW) ist DIESES Jahr das 1.Jahr, an dem die Kinder, die in der 3.und 4. Englisch hatten, an die weiterf. Schulen wechselten.

Ich denke, die Lehrer sollten da ein wenig offen sein!

Unsere Schule hat das Glück 2 studierte Grundschul-Englisch-Lehrerinnen zu haben. Und die machen das echt super! Nutzen alle Medien, die sie zur Verfügung haben (wie von native speakers gesprochene Videos, CDs etc) und haben auch eine super Aussprache. Eine von ihnen unterrichtete auch ein Jahr lang in England.

Wie das an den anderen Grundschulen aussieht, weiß ich natürlich nicht.

Aber diese Art, so von oben herab, fand ich echt nicht gut.
So fiel dann auch der Besuch des E-Unterrichts der Grundschullehrerinnen an dieser Schule aus. Oben angeführter Spruch fiel und der anschließende Unterricht fand stur aus dem Buch statt. Zeigte wohl ganz klar "Lasst mich bloß in Ruhe! Ich habe keine Lust auf Besuch in meinem Unterricht." :(

Wie gesagt, ich habe ja Verständnis. PISA, die ganzen Vergleichsarbeiten, die naturwissenschaftlichen Fächer werden fächerübergreifend unterrichtet/ dann wieder doch nicht?!, das neu eingeführte G8, Lehrermangel ohne Ende! Aber solte man nicht versuchen, das beste draus zu machen? Was nützt es, sich dagegen aufzulehnen?

Da lob ich mir die anderen weiterf. Schulen. Diese zeigten Interesse und schauten sich den Unterricht an den Grundschulen an um, Vorurteile abzubauen oder auch zu evtl. Tatsachen zu festigen. :wink:
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Beitragvon Mara » 11.12.2005, 15:35

Hier in Bayern ist es schon so, dass für zwei Stunden Englischunterricht eine Stunde Deutsch weniger unterrichtet wird. Das ist für mich schon ein Manko.

Was die Lehrer der weiterführenden Schulen wohl so gegen den Englischunterricht der Grundschule aufbringt, ist der spielerische Umgang mit der Fremdsprache. Vielleicht auch die fehlende Benotung. Mittlerweile ist der Englischunterricht in Klasse 3/4 Pflicht. Ich habe es selbst vor ein paar Jahren erlebt, wie sich ein Kind von dem damals noch freiwilligen Englischunterricht abmelden wollte, weil es "eh nichts für die weiterführende Schule bringt".

Sicher kann man das Lernen der Fremdsprache an Grundschule und an höheren Schulen nicht vergleichen.

Mittlerweile hat man in Bayern eingesehen, dass man als Englischlehrer an der Grundschule doch Vorkenntnisse braucht.
Bevor man an der Grundschule Englisch unterrichten darf, muss jeder Lehrer einen Sprachtest machen.
Dazu gehört ein Bild auf Englisch zu beschreiben und einen Text mit viel Ausdruck und Betonung vorzulesen. Am Schluss muss man zu einer Frage Stellung nehmen. Zum Prüfungsteam gehört auch ein native speaker.

Dieser Test ist auch keine lose Formsache, die jeder besteht. Danach muss man einen einwöchigen Methodik-Lehrgang besuchen. Spätere Fortbildungen sind, glaube ich, auch Pflicht.
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Beitragvon XYZ » 11.12.2005, 17:28

>>Hier in Bayern ist es schon so, dass für zwei Stunden Englischunterricht eine Stunde Deutsch weniger unterrichtet wird. Das ist für mich schon ein Manko.<<

Das finde ich natürlich auch nicht prickelnd. :(
Weiß jemand, ob es hier in NRW auch so war?

Wird in Bayern englisch nicht benotet?
Bei uns schon.

An unserer Schule werden sogar kleine Tests geschrieben.
Mit rot Fehler angestrichen und die erreichte Punktzahl steht drunter.
Am Ende des Halbjahres bekommen die Kinder eine Note aufs Zeugnis, die sich auf diese Tests und die mündliche Mitarbeit stützt.

Klar ist der Unterricht spielerisch. Aber genau so lernen Kinde in dem Alter nun mal am besten.
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Beitragvon Mara » 12.12.2005, 16:49

Soweit ich weiß (zur Zeit bin ich nicht als Grundschullehrerin aktiv), wird in Bayern der Englischunterricht nicht benotet.

In das Zeugnis wird nur eine Bemerkung geschrieben.
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Beitragvon XYZ » 16.12.2005, 20:09

Da sind wir in NRW "weiter" als in Bayern?
Ich kann's kaum fassen! :lol:
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Beitragvon Mara » 17.12.2005, 14:26

Tja, wir geben gerne den anderen Bundesländern mal einen Vorsprung. :lol:
Wer weiß, wie lange noch.
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Beitragvon XYZ » 17.12.2005, 21:19

:lol: :lol: :lol:
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Beitragvon Katja Speidel » 18.12.2005, 1:18

Hallo,
ich glaube nicht, dass ein kurzer Test mit ein bissl Alltagsenglisch wirkliche Kompetenzen eines Lehrers aufzeigt. Wie bereits gesagt wurde wird in Sachsen ein hammerharter Einstufungstest von allen verlangt, die auch nur ansatzweise was mit Englisch machen wollen. Dabei ist es egal, ob du Magister Amerikanistik oder Politikwissenschaftler mit Nebenfach Engl. bzw GS-Lehrer bist. Alle Tests werden von native speakern durchgeführt und die Mehrzahl der Dozenten sind auch natives.

Mir rollen sich bei Hospitationen und Lehrvideos von GS-Lehrern die Englisch sprechen auch immer die Fussnägel vor Entsetzen hoch. Ich lerne jetzt seit 1991 Englisch und studiere es seit 5 Semstern. Man kann einfach keine Sprache unterrichten, wenn man nicht in dem Land oder an einer sehr guten Bildungseinrichtung war. Wenn eben kein geeignetes Personal da ist, sollte man es vielleicht sogar besser sein lassen. Die weiterführenden Schulen haben ja auch ganz oft die Weisheit mit Löffeln gegessen!!! Was glauben die eigendlich, wer hier die Grundlagen für alles gelegt hat? Das was wir in der GS vermitteln ist die Basis und die spielt im späteren Leben vielleicht eher eine Rolle, als der zu spezielle Fachunterricht.
Ciau Katja
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Beitragvon Mara » 18.12.2005, 12:34

Ich kann nur sagen, wie ich es selbst erlebt habe. Eigentlich wollte ich auch von vornherein für das Grundschullehramt das nicht vertieft studierte Fach Englisch belegen. Da musste man vor Beginn des Semesters auch einen Einstufungstest absolvieren.

In Bayern ist es beim Studium auch so, dass man mit vertieft studierenden oder Anglistikstudenten in einem Seminar sitzt. Das gilt auch für andere Fächer.

Der von mir beschriebene Test richtet sich an Lehrer, die bereits an der Grundschule unterrichten und nun eine Art Nachqualifikation brauchen, um in ihrer Klasse Englisch unterrichten zu können.
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Beitragvon XYZ » 18.12.2005, 12:51

>>Was glauben die eigendlich, wer hier die Grundlagen für alles gelegt hat? Das was wir in der GS vermitteln ist die Basis und die spielt im späteren Leben vielleicht eher eine Rolle, als der zu spezielle Fachunterricht.<<

Und ganz genau DAS ist das, was mich so rgeärgert hat!!
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Beitragvon tjorven » 18.12.2005, 19:23

Ich war im Blockpraktikum B auch drei Tage an einer weiterführenden Schule. Im Pausenraum hat sich eine Gruppe Gymnasiallehrer ziemlich überheblich über die angebliche Anspruchslosigkeit des Grundschullehrer-Daseins (Kindergarten, spielen etc.) geäußert. Ich hab da ein bißchen zugehört und dann in den Raum hinein gefragt, wo sie wohl ihre Schüler herbekämen, wenn wir primitiven GSL unsere Schüler nur noch auf Haupt- und Mittelschulniveau bringen würden... :wink:
Wie gesagt, ich finde den Englischunterricht wirklich unter aller Sau. Aber was die sich an Pauschalisierungen herausnehmen ist wirklich eine Frechheit. Wir vermitteln Grundlagen, ohne die deren Unterricht überhaupt nicht stattfinden kann !

T.
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Beitragvon Berenice » 30.12.2005, 12:42

Das Niveau der nicht-englisch-studierten Grundschullehrer an der Grundschule die meine Kinder besuchen ist meines Erachtens nicht schlechter, als das Niveau mancher Englischlehrer aus meiner gymnasialen Unter und Mittelstufe. Es ist sogar noch um Klassen besser als das Französisch-Niveau meines Oberstufen Französisch-Lehrers.

Ich bin mit dem, was die Kinder lernen voll zufrieden. Im Gegensatz zu manchen Entgleisungen im Mathe Unterricht, die ich für schwerwiegender halte.

Es ist utopisch sich für jede Schule unseres Landes und für jedes Fach den idealen Lehrer zu wünschen und weltfremd zu glauben ein Nachweis aus irgendeinem Studium wäre ein Qualitätsgarant.

Das Wort Zeitverschwendung lässt mich schmunzeln. Wessen Zeit? Der Lehrer oder der Schüler? Wir haben doch alle Zeit der Welt anscheinend und brauchen keine Ganztagsschule an der Nachmittags noch unterrichtet wird.

Für mich, die ich viele zweisprachige Kinder kenne, fällt aber der Vorteil andere Sprachen leichter zu lernen klar ins Auge. Selbst die Kinder die sehr schwach in der zweiten Sprache sind, haben doch ein ganz anderes Sprachbewusstsein und tun sich mit Englisch und deutscher Rechtschreibung wesentlich leichter.

Natürlich meint immer der, der ein gewisses Diplom hat, ohne dieses Diplom sei Alles Nichts. Seh ich natürlich bezüglich meines eigenen Diploms genauso :D

Schade wenn dies von dem eigentlichen Sinn ablenkt und sich negativ auf das Lernen der Kinder auswirkt.
Ich find in meiner Arbeit auch manches blöd und überflüssig. Aber in der freien Wirtschaft kann man es sich heutzutage nicht mehr leisten sowas auszuleben.

Gruss
Berenice
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Beitragvon Katja Speidel » 02.01.2006, 1:35

Hallo Leute,

sicherlich gibt es keine idealen Lehrer für jedes einzelne Kind. Jedes Kind hat aber das Recht bzw. einen Rechtsanspruch auf eine qualitativ hochwertige Ausbildung und manche Lehrer sind im Englisch Unterricht einfach ne Katastrophe. Hier in Sachsen unterrichten Lehrer, die selber nie Englisch hatten. Manche haben simultan mit dem Unterrichten des Faches einen Ferienkurs an der Volkshochschule begonnen!!!!!

Da bin ich einfach so hochnäsig und behaupte, dass mein Abschluss mich dazu befähig Englisch korrekt zu vermitteln. Ich habs gestern erst wieder erlebt, dass eine Studentin mit Gymnasialniveau Englisch nicht in der Lage war einen einfachen Satz (genaugenommen: Der Bahnhof ist dort auf der rechten Seite) in Gegenwart eines Engländers zu sprechen. Hier wünsch ich mir manchmal die freie Marktwirtschaft in die Schule herein-bringste nicht die Leistung, kannste das ne machen!!!
katja
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